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Gewebekultur und Mikrovermehrung im Reagenzglas


Die Gewebekultur mit praktischer Blickrichtung ist die Baumschule im Reagenzglas. Eine Reihe von Obstarten wird derzeit über die sogenannte Mikrovermehrung in die Praxis gebracht. Das gilt vor allem für solche Arten, die mit konventionellen Verfahren nur sehr schwierig zu vermehren sind. Ein zweiter Grund für die Vermeh-rungsmethode im Glas ist die Gesundung oder Pathogeneliminierung. Die Ziele der Gewebekultur sind die Gewinnung von krankheitsfreien Pflanzen und eine schnelle Klonvermehrung. Eine Vermehrung von Pflanzen über Gewebekulturen ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn:

1. krankheitsfreie Pflanzen unter Ausschluß neuer Kontamination vermehrt werden sollen;

2. eine konventionelle Vermehrung zu langsam und nur zu bestimmten Jahreszeiten möglich ist;

3. die Vermehrungsraten in vivo zu gering sind;

4. die übliche Vermehrung zu teuer ist;

5. eine vegetative Vermehrung nach herkömmlichen Methoden gar nicht möglich ist.

Ein besonderer Vorteil ist, daß die ausgewählte Mutterpflanze nicht zerstört wird. Es reicht ein kleines Stück Gewebe, um hohe Vermehrungsraten identischen Materials zu erreichen. Doch da die Gewebekultur eine sehr junge Wissenschaft ist, gibt es insbesondere bei den Holzgewächsen beträchtliche Schwierigkeiten. Noch 1974 schrieb Prof. MURASHIGE, der als Pionier der Gewebekultur bei Orangen erste Erfolge hatte: "Hoffentlich kommt es bald zu einem größeren Durchbruch in der Gewebekultur bei Gehölzen". Ab 1976 wurden in Weihenstephan zunächst in größerem Umfange die nur schwach verholzenden Himbeeren mit dieser Methode vermehrt. In den Folgejahren gelang dies dann auch bei Sauerkirschen, Zwetschgen und Süßkirschen.