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Resistenzforschung

Die Schorfkrankheit am Kernobst


Die große wirtschaftliche Bedeutung der Schorfkrankheit an Birnen und Äpfeln wurde erstmals Ende des vorigen Jahrhunderts erkannt. 1896 war in der Fachpresse zu lesen: "Wir sehen uns gegenwärtig offenbar einer außerordentlich heftigen Schorfepidemie gegenüber, die, wenn sie noch lange anhält, imstande ist, die Kernobstkulturen mancher Gegenden geradezu zu ruinieren." Auch heute noch ist der Schorf die gefährlichste pilzliche Erkrankung im Kernobstanbau, durch die in niederschlagsreichen Jahren die gesamte Ernte vernichtet werden kann, falls keine oder nur unzureichende Bekämpfungsmaßnahmen vorgenommen werden. Durch den vorzeitigen Blattverlust wird überdies die Entwicklung der Bäume stark gehemmt und der nächstjährige Blütenansatz stark vermindert.

Symptome

Blätter: Gewöhnlich erscheinen die Schorfflecken in mehr oder weniger großer Zahl blattoberseits als zunächst gelbliche Aufhellungen, bald aber als samtartige, olivgrüne Läsionen. Die Flecken können sich vergrößern, zusammenfließen und schließlich größere Teile der Blattoberfläche bedecken. Mit zunehmendem Alter sind sie scharfrandig abgegrenzt. Stark befallene Blätter fallen vorzeitig ab.

Früchte: Beim Fruchtschorf ist zwischen Früh-, Spät- und Lagerschorf zu unterscheiden. Der Frühschorf zeigt sich an Früchten Anfang Juni. Das befallene Gewebe stirbt ab und verkorkt. Durch das Weiterwachsen der Frucht kommt es an diesen Stellen zu Rissen. Meist fällt solch eine Frucht vorzeitig ab.
Der Spätschorf tritt erst gegen Ende des Fruchtwachstums auf. Meistens entstehen die schwarzen Schorfflecken in großer Anzahl auf den Früchten. Es kommt dadurch zwar zu keiner Geschmacksbeinträchtigung, aber die Marktqualität wird stark gemindert. Als Lagerschorf wird das Auftreten dieser pilzlichen Erkrankung bezeichnet, wenn sich die schwarzen Schorfflecke erst nach der Ernte auf gesund eingelagerten Früchten zeigen.

Triebe: Gelegentlich befällt der Schorfpilz auch wachsende Jahrestriebe. Es kommt zu kleinen blasigen Auftreibungen und Rissen der Rinde, dem sogenannten Zweiggrind. Die direkte Schädigung durch den Zweiggrind ist unbedeutend, doch stellen die befallenen Triebe insofern eine Gefahr dar, weil von ihnen im Frühjahr Infektionen ausgehen können.

Schorfbekämpfung

Bei der Bekämpfung des Schorfpilzes wurden große Fortschritte erzielt. Lange hat die Praxis daran festgehalten, die Bäume in regelmäßigen Abständen einer Spritzung zu unterziehen, um allen Neuzuwachs unter einen schützenden Belag zu bringen. Die alljährlich von den verschiedensten Stellen herausgegebenen "Spritzkalender" führten oftmals zu überflüssigen und manchmal erfolglosen Behandlungen. Die Voraussetzung für eine gezielte Schorfbekämpfung war die genaue Erforschung der Biologie des Schaderregers durch viele phytopathologische Institute. Als wertvolle Neuentwicklung wurden die systemischen Fungizide mit kurativer Wirkung betrachtet, doch ist der Schorf in manchen Gebieten bereits resistent gegen einige dieser Fungizide.

Entwicklungszyklus des Apfelschorfs

Der Pilz überwintert im Fallaub. Im Frühjahr kommt es zur Bildung von Fruchtkörpern. In diesen Fruchtkörpern reifen die Ascosporen (Wintersporen) heran, die bei günstigen Witterungsbedingungen zur Zeit des Knospenaufbruchs herausgeschleudert werden. Durch Wind und Regen gelangen diese Sporen in die Baumkronen und lösen dort die Primärinfektionen aus. Die Keimung der Sporen hängt von der Witterung ab. Bei erfolgreicher Infektion wächst der Pilz zunächst unter der Kutikula (Schutzhaut des Blattes), durchbricht diese dann und bildet massenweise Konidien (Sommersporen), die Sekundärinfektionen an Blättern und Früchten verursachen und für eine rasche Verbreitung der Krankheit sorgen. Durch die genaue Kenntnis des Schaderregers und die Einrichtung von Schorfwarndiensten in fast allen Obstanbaugebieten konnte bei der Schorfbekämpfung durch ein Minimum an Aufwand ein Maximum an Erfolg erzielt werden. Aufgabe dieser Warnstationen ist es, alljährlich den Reifezustand der Fruchtkörper im Fallaub, Beginn und Ende des Ascosporenfluges, sowie die exakten Schorfinfektionstermine zu ermitteln. Die Bemühungen mehrer Versuchsanstalten gehen nun dahin, die bereits bestehenden Prognose- und Bekämpfungsmodelle durch noch exaktere Messungen und Berechnungen zu verbessern, um dadurch die Spritzungen auf ein Mindestmaß reduzieren zu können. Pflanzeneigene Abwehrmechanismen können bisher nicht in das Warnsystem einbezogen werden, da ihre Erforschung erst am Anfang steht.

Die Schorfresistenz

Der wirksamste Weg zur Vermeidung von Fungizidaufwendungen und Umweltbelastungen besteht in der Züchtung resistenter Sorten. Man sollte sich daher von der in der Öffentlichkeit manchmal polemisch geführten Diskussionen, in denen neue Sorten pauschal abgewertet und alte ohne Differenzierung hochgelobt werden, nicht irritieren lassen. Eine wichtige Resistenzquelle für die Züchtung schorfresistenter Apfelsorten war die Wildart Malus floribunda. Das Problem war, die Schorfresistenz dieser Wildart, die nur kleine ungenießbare Früchte hervorbringt, mit den Qalitäten der Tafelsorten zu kombinieren. Mittlerweile sind eine ganze Reihe von resistenten Apfelsorten aus Zuchtgärten in den USA, Frankreich und Dresden-Pillnitz auf dem Markt. Im Erwerbsobstbau fanden diese Sorten bisher, vor allem wegen ihrer ungenügenden Lagerfähigkeit und der hohen Druckempfindlichkeit, jedoch keine Verbreitung.

Den Resistenzursachen auf der Spur?

Weihenstephaner Untersuchungen von Apfelsorten ergaben für die resistente Gruppe einen wesentlich höheren Phenol-Gehalt in Blättern und Fruchtschalen als bei anfälligen Sorten. Die Blätter des Wildapfels haben beispielsweise sogar zwanzigmal mehr phenolische Gerbstoffe als die schorfanfällige Sorte 'Gravensteiner'. Generell kann die Anreicherung von Gerbstoffen als unspezifische Schutzreaktion gewertet werden, die durch Verwundung jeder Art, z.B. durch Hagel oder Insektenfraß, ausgelöst wird. Möglicherweise kann ein gezieltes Auslösen dieses Mechanismus in der Zukunft zur prophylaktischen Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen eingesetzt werden.