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Resistenzforschung

Birnengitterrost


Im Frühsommer erreichen uns stets die ersten besorgten Anrufe von Hobbygärtnern, die auf den Blättern ihrer Birnbäume orangerote, klebrige Flecken finden. Diese vergrößern sich im Laufe des Sommers, auf der Blattunterseite entwickeln sich hellbraune, knorpelige Pusteln. Es handelt sich hier um die typischen Symptome des Birnengitterrostes (Gymnosporangium sabinae), einem Rostpilz, der systematisch in die höchstentwickelte Gruppe der Pilze, den Basidiomyceten, eingeordnet wird. Im Gespräch stellen wir dann fest, daß sich in unmittelbarer Umgebung des Birnbaums, meist sogar noch in westlicher Richtung, ein Wacholder befindet. Unser Ratschlag, den Wacholder zu entfernen, wird von den meisten Hobbygärtnern, die auf die Empfehlung eines Spritzmittels gefaßt waren, mit Überraschung aufgenommmen. Zur Vollendung seines Entwicklungszyklus benötigt der Birnengitterrost einen Haupt- und einen Zwischenwirt. Hauptwirt können fast alle Gartenwacholder sein. Juniperus sabinae, J. chinensis und J. virginia bilden eine Infektionsquelle bis zu 100 m im Umkreis des Birnbaums. Im April oder Mai brechen aus infizierten Wacholdertrieben hellbraune, polsterförmige Sporenlager hervor. Die aus ihnen freigesetzten Teleutosporen keimen sofort nach der Reife aus und es entwickelt sich eine weitere Sporengeneration (Basidiosporen), die die jungen Birnenblätter infizieren. Hier entstehen auf der Blattorangerote Flecken (Spermogonien) und später auf der Blattunterseite hellbraune Pusteln (Aecidien). Die Aecidiosporen vermögen nun wieder Juniperus-Arten zu infizieren: der Kreislauf ist geschlossen! Wird nun der Hauptwirt ausgeschaltet, der Kreislauf also unterbrochen, kann der Pilz nicht mehr überleben. Von einer chemischen Bekämpfung raten wir ab, da der Birnengitterrost nur in Extremfällen eine wirkliche Gefahr für den Birnbaum darstellt. Bei der mikroskopischen und biochemischen Analyse der Infektionstellen auf dem Birnenblatt stellt man fest, daß das erkrankte Blattgewebe von einem Ring phenolhaltiger Zellen eingeschlossen ist. Auch die vom Pilz befallenen und neu gebildete Zellen produzieren enorme Mengen von Phenolen, die als Abwehrstoffe bekannt sind. Doch der hoch spezialisierte Pilz nimmt davon scheinbar keine Notiz. Allenfalls die räumliche Beschränkung auf ein abgegrenztes Areal auf dem Blatt deutet auf Verteidigungsmechanismen der Pflanze hin. Die Phenole scheinen auch hierbei eine Rolle spielen.