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Resistenzforschung

Die Moniliakrankheit der Kirsche


Die Moniliakrankheit des Obstes wird durch Pilze der Gattung Monilinia verursacht. Die Krankheit äußert sich in einem Absterben der Blüten, dem ein Vertrocknen ganzer Zweigpartien folgt. Bei der Kirsche erfolgt die Infektion hauptsächlich über die Narbe. Die Pilzsporen keimen dort und wachsen mit einem Keimschlauch, einer Pilzhyphe, durch den Griffel bis in den Fruchtknoten ein. Anschließend kommt es auch zu einem Einwachsen in den Blütenstiel, der daraufhin welkt. Von hier kann eine weitere Besiedelung der Rinde und des ganzen Zweiges erfolgen. Da die Blütenorgane die empfindlichsten Stellen der Pflanzen sind, wurden sie einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Es konnte festgestellt werden, daß die speziellen Gewebe der einzelnen Blütenorgane jeweils typische Phenolmuster aufweisen. So wird beispielsweise der Griffel rundum von Zellen umgeben, die ihn stabilisieren sollen. In diesen Zellen, und zwar nur 3-4 Zellschichten breit, finden sich sehr hohe Konzentrationen von Gerbstoffen. Die Gewebe, die mit dem Pollen und dem Pollenschlauch in Berührung kommen, sind vollkommen frei von diesen Phenolen. Denkt man jetzt an die gerbende, d.h. proteinfällende Aktivität der Gerbstoffe, so ist es nur logisch, daß diese Substanzen vom Pollenschlauch ferngehalten werden müssen. Denn dieser Pollenschlauch braucht aktive Enzyme, um überhaupt durch den Griffel hindurch bis zum Fruchtknoten wachsen zu können. Wäre nun das ganze Griffelgewebe, also auch das sogenannte Transmissionsgewebe und die Narbe mit Gerbstoffen angefüllt, so wäre ein Hindurchwachsen des Pollens wahrscheinlich unmöglich. Demnach scheidet also eine Beteiligung der Gerbstoffe an der Abwehr resistenter Kirschensorten gegen Monilinia aus.

Im Lauf der Evolution hat sich offenbar dieser Pilz den Weg ausgesucht, den auch Pollenschläuche benutzen, um das Blüteninnere zu erreichen. Kommen wir nun zu Phenolen, die auf der Narbe zu finden sind. Es ist generell verwunderlich, daß die Narbe, ein sehr empfindliches und exponiertes Gewebe der Pflanze, nicht häufiger von Pilzen befallen wird. Offensichtlich gelingt es nur einigen wenigen pathogenen Spezialisten die offensichtlich vorhandene Abwehrbarriere auf der Narbe doch zu überwinden. Die Narbenzellen scheiden ein Sekret aus, das eine ganze Reihe von Phenolen, die überwiegend einer einzigen Gruppe angehören, enthält. Es sind Abkömmlinge der p-Cumarsäure. Diese Substanzen kommen auch auf den Narben anderer PrunusArten und bei Äpfeln vor. Aus der Literatur ist bekannt, daß Substanzen mit ähnlicher Struktur in der Lage sind, den Pilz Monilinia in seiner Aggressivität zu bremsen. Im Hinblick auf die Entwicklung resistenter Kirschensorten wäre es sinnvoll, genaue quantitative Analysen dieser Phenole in anfälligen und resistenten Sorten durchzuführen. Es ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß der Phenolgehalt von Pflanzengeweben nicht nur durch die Pflanzenzüchtung beeinflußt werden kann, sondern auch Umweltfaktoren und Kulturmaßnahmen einen wesentlichen Einfluß haben. Auch die Veredlungsunterlage kann den Phenolgehalt der Narbe modifizieren, wie sich in ersten Versuchen andeutete.