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Resistenzforschung

Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln über Beregnungsanlage


Die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln über die Beregnungsanlage war von 1961-1964 ein aufwendiges und auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziertes Versuchsprojekt. Es wurde an fast 500 Bäumen (u.a. neunjährigen Apfelbüschen auf M 11 im Abstand von 4 x 5 m) durchgeführt. Zur Mischung der Spritzbrühen wurde ein 4 m3 fassendes Betonbecken gebaut und eine aufwendige Regneranlage mit Dosiermöglichkeiten auf Saug- und Druckseite angeschafft. Die Fragestellungen und Vorgaben aus der Praxis waren folgende: "Vordringliche Aufgabe für den deutschen Obstbau ... ist die Erzeugung großer Mengen von Früchten höchster Qualität mit dem geringstmöglichen Aufwand an Kosten". Für die Erzeugung hoher Ernten bester Qualität ist das Wasser einer der wichtigsten Wachstumsfaktoren. Beregnungsanlagen waren und sind immer noch sehr kapitalintensive Anschaffungen. Vor dem Hintergrund der Ausnutzung dieser teuren Investitionen und der Einsparung von Spritzgeräten und Arbeitszeit, wurde aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen heraus der Beregnungsversuch begonnen. Zudem war Anfang der sechziger Jahre eine Eingrünung der Fahrgassen mit Mulchrasen noch nicht üblich, so daß das Spritzen mit dem Schlepper in nassen Perioden, auf schweren Böden und in Hanglagen oft nur schwierig zu bewerkstelligen war. Ein weiteres Argument gegen das herkömmliche Spritzverfahren war die Bodenverdichtung durch Schlepper und Spritzfaß. Somit erstreckten sich die Untersuchungen auf die biologische Seite des Problems (Wirkung auf pilzliche und tierische Parasiten), technische Details der Verregnung sowie betriebswirtschaftliche Fragen. Es wurden Vergleiche zwischen Beregnung und Spritzung gegen folgende Krankheiten und Schädlinge angestellt: Apfelschorf, Birnenschorf, Grüne Apfellaus, Apfelwickler, Apfelblütenstecher, Rote Spinne (an Pflaumen) und Kleine Pflaumenlaus. Zur Durchführung: Die Verregnung erfolgte in den Morgenstunden zwischen 5 und 7 Uhr, um die ruhige Luft zur gleichmäßigen Verteilung im gesamten Regnerbereich sowie Tau auf den Blättern für eine gleichmäßige Verteilung innerhalb der Baumkrone zu erreichen. Die Ergebnisse waren bezüglich der Insekten höchst erfolgreich. Die Effizienz beider Verfahren war vergleichbar. Die Spinnmilben und deren Eier konnten durch Beregnung zwar nicht in dem Ausmaß reduziert werden, wie bei der Spritzung, aber doch ausreichend, so daß die Erträge bei beiden Behandlungen als gleichwertig anzusehen waren. Während beim Apfelschorf, abgesehen von einer gelegentlich leichten Überlegenheit der Spritzung, grundsätzlich beide Behandlungsmethoden brauchbar und erfolgreich waren, wurde beim Birnenschorf nur ein Teilerfolg erzielt.

Fruchtschorfbefall von Apfelsorten im Jahre 1963

Variante

Konzentration

Sorte

 

Jonathan

Goldparmäne

Cox Orange

Unbehandelt

 

2,0

2,71

2,72

Beregnet

1/1

0,06

0,007

0,06

 

1/2

0,27

0,01

0,19

 

1/4

0,50

0,04

0,13

Gespritzt

1/1

0,002

0,05

0,01

 

1/2

0,007

0,09

0,02

 

1/4

0,005

0,14

0,07

Boniturnoten: 0 = befallsfrei, 5 = starker Befall
Eingesetzt wurden verschiedene Mittel, wobei die vom Hersteller empfohlenen Konzentrationen in 2 Varianten reduziert wurden (1/1 = Herstellervorschrift, 1/2 und 1/4 = reduzierte mittelkonzentrationen)

Der Versuch zur Reduzierung der Mittelkonzentration gegen Apfelschorf macht deutlich, daß die Angaben der Hersteller auch im Hinblick auf Sortenunterschiede überprüft werden sollten. Die Versuchsergebnisse führten zu der Empfehlung, die von den Herstellern angegebene Konzentration um ein Drittel bis um die Hälfte zu reduzieren. Die Weiterentwicklung der Anbauverfahren und Kulturtechniken hatte die Vorbedingungen inzwischen so verändert, daß sich die Überkronenberegnung in Deutschland nicht durchsetzen konnte. Die heute allseits verbreitete Mulchwirtschaft mit Graseinsaat erleichtert das Spritzen auch bei nassem Wetter. Als Bewässerungsanlagen kommen vermehrt wassersparende Tropfverfahren zur Anwendung. Diese eignen sich zwar für die Düngung (Fertigation), nicht jedoch für den Pflanzenschutz. Als wichtigster Punkt sei aber der Umweltschutz angefügt: Mit der heutigen Spritztechnik können durch bessere Verteilung und gezieltere Ausbringung erhebliche Wirkstoffmengen eingespart werden, und die Abdrift von Pflanzenschutzmitteln ist deutlich geringer.