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Züchtung von Unterlagen und Sorten

Kirschen - die Problemkinder des Obstbaus


Die Bundesrepublik Deutschland ist eine der größten Kirschenproduzenten der Welt. In der Obstbaumzählung von 1965 wurden 7,4 Mio. Süßkirschenbäume ermittelt. Die Probleme im Kirschenanbau unterscheiden sich recht deutlich von denen des Apfels. Während es im Kirschanbau möglich ist, die Kultur und Pflege recht extensiv zu betreiben, erfordert die Ernte kurzzeitig einen sehr hohen Aufwand an Arbeitskräften. Das hat zur Folge, daß man im süddeutschen Raum Süßkirschen weitgehend in Familienbetrieben mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 10 Bäumen anbaut, da sonst die Arbeitsspitzen zur Erntezeit nicht zu schaffen sind. Wenn die Kirsche neben den steigenden Importen an frühen Pfirsichen ihren Platz behaupten will, muß ihre Kultur rentabler gestaltet werden. Das ist möglich durch günstigere Ertragsstruktur der Sorten, bessere Platzfestigkeit der Früchte und erhöhte Krankheitsresistenz der Bäume und kleinere Baumformen, deren Anzucht einfach und preisgünstig sein soll, die frühzeitig in Ertrag kommen und die die zahlreichen Ernteunfälle vermeiden helfen.

Das Problem beginnt schon bei der Vermehrung

Die natürliche Bewurzelungsfähigkeit von Stecklingen ist bei Kirschen äußerst gering und führt kaum zu einer wirtschaftlich interessanten Ausbeute. Unter Verwendung eines Gewächshauses mit Sprühnebeleinrichtung gelingt es immerhin, Sauerkirschen per Grünstecklinge zu vermehren. Als Stecklingsmaterial werden dabei einjährige Langtriebe von jungen aber bereits fruchtenden Bäumen verwendet. Die Triebe können in kleine Stecklinge von etwa 10 cm Länge unterteilt werden, wobei der Basalschnitt direkt unter einem Auge durchgeführt werden soll. Als Bewurzelungshilfen dient ß-Indolylbuttersäure. Außerdem werden die Stecklinge durch Entfernen eines etwa 2 cm langen, basalen seitlichen Rindenschildchens verwundet. Diese Verwundung ist bei schwer wurzelnden Sorten eine zusätzliche Hilfe für die Wurzelbildung. Bei einigen Sorten kann die Anwendung eines geeigneten Wuchsstoffes die arbeitsaufwendige Verwundung zum Teil ersetzen. Eine Kombination aus Verwundung und Wuchsstoffbehandlung übt jedoch den günstigsten Effekt aus.

Bewurzelung von Grünstecklingen der Sorte "Schattenmorelle"
Stecktermin Mitte Juni (Wuchsstoff ß-Indolylbuttersäure)

Behandlung
verwundet (%)
unverwundet (%)
ohne Wuchsstoff
7,5
0,0
20 ppm
40,0
10,0
40 ppm
42,5
30,0

Abhängigkeit des Bewurzelungsergebnisses von Stecktermin, Triebzone und Wuchsstoffkonzentration
("Schattenmorelle", verwundet)

SteckterminTriebzone
Prozentsatz bewurzelter Stecklinge bei Verwendung von ß-Indolylbuttersäure
0 ppm20 ppm40 ppm
2. JuniBasis15,467,375,0
Spitze11,511,523,1
30. JuniBasis7,520,017,5
Mitte12,520,035,0
Spitze12,527,537,5
30. JuliBasis0,00,02,5
Mitte0,02,55,0
Spitze10,07,55,0

Neben der beschleunigten Wurzelbildung steigert die Wuchsstoffanwendung auch die Anzahl der Primärwurzeln. Dem Stecktermin kommt eine wesentliche Bedeutung zu. Die Vermehrungsfähigkeit nimmt mit fortschreitender Jahreszeit erheblich ab. Diese Abnahme wird durch die Möglichkeit, aus einem Trieb eine größere Zahl von Stecklingen herauszuschneiden, nicht kompensiert. Spitzentriebe benötigen zur Bewurzelung eine erheblich längere Zeitspanne, außerdem ist der Umfang der Wurzelbildung deutlich geringer. Es empfiehlt sich also, zeitig mit der Vermehrung von Sauerkirschen zu beginnen, zumal Stecklinge aus frühen Sätzen kräftiger in den Winter und die folgende Vegetationsperiode gehen.

Bewurzelungsfähigkeit verschiedener Sauerkirschsorten

Sorte
Anteil (%) bewurzelter Stecklinge ohne bzw. mit Wuchsstoff
Werdersche Glas
55,0
75,0
Peters Morelle
25,0
42,5
Köröser
14,0
32,0
Frühe Ludwigs
10,0
20,0
Schwäb. Weinweichsel
4,0
23,0
Schattenmorelle
0,0
21,0
Königin Hortense
0,0
20,0
Montmorency
8,0
13,0
North Star
0,0
12,0
Tschernokorka
0,0
2,0