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Veredelung

Die Etappen des Krankheitsprozesses einer unverträglichen Veredlungskombination


Die Veredlungsunverträglichkeit offenbart sich als Symptomkomplex, dessen zeitliche Abfolge bislang nicht eindeutig geklärt ist. Erschwerend kommt hinzu, daß sich auf Grund der Symptomausprägung verschiedene Typen der Unverträglichkeit unterscheiden lassen. Im Schema sind der Verlauf der Entwicklung einer verträglichen Pfropfkombination und die zwei Typen der Inkompatibilität dargestellt. Im Verlauf des Verwachsungsprozesses kann man einige kritische Entwicklungsstadien erkennen: 
 

Etappe 1: Wundkallus und Wundphenole 

Durch das Anschneiden von Zellen werden Phenole frei, die rasch oxidieren. Dabei entsteht die sogenannte nekrotische Linie. Im verträglichen Fall wird diese nach einiger Zeit vollständig aufgelöst, während unverträgliche Veredlungen diese braungefärbte Zone im Holz zeitlebens aufweisen. Im Extremfall, bei spontaner Unverträglichkeit, kann die fortgesetzte Nekrotisierung zu einem frühzeitigen Abstoßen des Veredlungspartners führen. 
 

Etappe 2: Sekundäre Wundreaktion in der Etablierungsphase 

Während die Differenzierung von primärem Holzteil und Phloem im Bereich der Kontaktzone und im Wundkallus meistens reibungslos verläuft, treten bei der Sekundärdifferenzierung Störungen auf. Diese können entweder minimal bleiben, so daß trotzdem eine stabile Verwachsung erfolgt, oder sie führen zum Abstoßen des Veredlungspartners, wie es bei Aprikosenveredlungen häufig der Fall ist. 

Etappe 3: Ungleichgewicht zwischen Wurzel und Krone 

Während sich bei verträglichen Veredlungskombinationen nach einer stabilen Verwachsung ein Gleichgewicht zwischen dem Stoffwechsel der Wurzel und dem der Krone einstellt, kann es bei unverträglichen Kombinationen zu einem Ungleichgewicht kommen. Das heißt, mit zunehmender Baumentwicklung verstärken sich die Symptome der Unverträglichkeit. Eine besondere Bedeutung kommt hier dem saisonalen Entwicklungsrhythmus des Phloems zu. Dieses wird alljährlich neu gebildet. Die funktionslos gewordenen Zellen werden aufgrund des sekundären Dickenwachstums an die Bastfasern gedrückt. Bei den dabei auftretenden Gewebespannungen werden die älteren Zellen zerstört. Diese enthalten aber hohe Konzentrationen des Prunins, das dann freigesetzt wird. Eine einmal in Gang gesetzte Differenzierungsstörung intensiviert sich danach zunehmend. 

Etappe 4: Entwicklung von Blattsymptomen 

Die bisher genannten Störungen haben eine Unterversorgung des Wurzelkörpers zur Folge. Dadurch vergrößert sich das Ungleichgewicht zwischen Wurzel und Krone immer mehr und es zeigen sich auch Störungen der Assimilationsorgane (Blätter). Nach all den genannten Prozessen kann nun Etappe 5 erreicht werden, d.h. die verzögerte Unverträglichkeit führt zu einem allmählichen oder plötzlichen Absterben der Pfropfkombination.