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Kulturgeschichte des Apfel


Nach Vaviliov ist die Heimat einer Art dort, wo die stärkste Aufspaltung in Varietäten auftritt. Für die in Europa vorherrschenden Obstarten lassen sich daher 4 Genzentren, die überwiegend im subtropischen bzw. mediterranen Bereich liegen, unterscheiden: der Mittelmeerraum, Südwestasien bis Zentralasien, Vorderindien und Ostasien.  Primitive Formen der späteren Wildarten des Apfels waren am Ende der Kreidezeit, also vor etwa 70 bis 65 Mill. Jahren in tropischen und subtropischen Gebirgstälern Südostasiens beheimatet. Gegen Ende des Tertiärs entwickelten sich die Vorläufer der heutigen Apfel-Wildarten, und zwar aus schließlich auf der nördlichen Halbkugel. Aus den Vorläufern gingen dann die echten Wildarten hervor, wie z.B. M. fusca oder M. coronaria in Nordamerika, M. sargenti oder M. siboldii in Zentral- und Ostasien, M. hupehensis oder M. baccata in China und M. sieversii oder M. orientalis im Himalaja. Letztere breiteten sich immer weiter nach Westen bis zum Kaukasus aus. Dort entwickel ten sich dann die wertvollsten Apfelbäume mit großen Früchten. Die später in Europa heimisch gewordene Wildart M. sylvestris, der Holzapfel, soll nach der letzten Eiszeit, vor etwa 15.000 bis  20.000 Jahren in Südrußland entstanden sein. Die Zahl der ursprünglichen, also echten Wildarten des Apfels schätzt man auf 25 bis 35, die in Europa, Asien und Nordamerika vorkommen. An der Entstehung der Kultursorten waren jedoch nur wenige Arten beteiligt.  Als Ahnen unserer Kultursorten werden heute die vom Kaukasus bis zum Altai-Gebirge in Mittel asien nachweisbaren Arten M. orientalis (Kaukasus-Apfel) und M. sieversii (Altai-Apfel) vermutet. Bekräfigt wird dies durch die Tatsache, daß es in diesem Gebiet eine besondere Verdichtung im Formenreichtum geben soll. Nach Vavilov zeigen viele der dortigen Wildäpfel die ganze Breite der für Kulturäpfel wertvollen Merkmale und Eigenschaften hinsichtlich Größe, Farbe, Form und Geschmack oder reiche Fruchtbarkeit, während dem Holzapfel, obwohl in Europa nach der Eiszeit heimisch, fast gar keine Beteilung an der Kulturwerdung des Apfels zugesprochen wird. Die Verbrei tung nach Europa im Zuge der indogermanischen Völkerwanderung um 3000 v.Chr. läßt sich durch die Namensgebung belegen, denn das Wort Apfel ist indogermanischen Ursprungs. 

Der Weg zum Kulturapfel

Mit dem Übergang vom Nomadentum zum seßhaften Leben, ca. 3000 v.Chr., wurde eine von Menschen und Tieren betriebene Selektion von Sämlingen, die durch zufällige Kreuzungen entstanden sind und von denen jeder infolge der Selbstunfruchtbarkeit ein Individuum darstellt, durchgeführt. Die Formenvielfalt wurde durch spontane Mutationen bereichert. Das Ergebnis unendlich vieler Kreuzungen innerhalb der Wildarten (intraspezifisch) und später auch zwischen denselben (interspezifisch), unterstützt von zahlreichen Mutationen, führte schließlich zu wertvollen Apfelbäumen, die im Umfeld von Siedlungen gepflanzt wurden. Die ersten Kultursorten waren hinsichtlich der äußeren und inneren Fruchtqualität noch sehr primitiv und hatten mit den heutigen Marktsorten wenig gemeinsam.  Das Schrifttum der Antike weist viele Zeugnisse über den Apfel auf. Die Griechen haben die Apfelkultur zu einer ersten Blüte gebracht. Theophrast nennt in seinen beiden Fundamentalwerken "Geschichte der Pflanzen" und "Ursachen der Pflanzen" bereits 6 Apfelsorten, 4 Birnensorten, 2 Sorten Mandeln und Quitten. Die Zahl der Weinreben muß damals bereits beträchtlich gewesen sein. Er schreibt, "Soviel Äcker, soviel Sorten". Die bedeutendsten Kulturen waren damals Wein und Oliven. Die Vermehrung der Obstsorten geschah durch Pfropfung. Soweit es sich um selbstfrucht bare Obstarten wie den Pfirsich handelt, erfolgte die Vermehrung auch über Samen. Später über nahmen die Römer die Apfelkultur. Die Göttin POMONA hatte bei ihnen das Schutzpatronat für den Apfelbaum. Sie gab auch den Namen für die Pomologie, der Lehre von den Obstfüchten. Bei den Römern gab es weitere Fortschritte im anbautechnischen und pomologischen Wissen, wie die zahlreichen Schriften von M.P. Cato, M.T. Varro, L.J.M. Columella, Plinius d.Ä. über Maßnahmen der Düngung, Lagerung und Pflanzenschutz beweisen. Plinius d.Ä. beschrieb insgesamt 1000 Pflanzen, darunter 39 Sorten Birnen, 23 Sorten Äpfel, 9 Sorten Pflaumen, 7 Sorten Kirschen, 5 Sorten Pfirsiche und 6 Sorten Walnüsse. An erster Stelle stand die Weinrebe mit 71 Sorten.  Durch fortdauernde Auslese neu entstandener Formen aus Wildbeständen, die in geschichtlicher Zeit, vor allem in Europa, zunehmend in den Wäldern heimisch oder am Rande der Siedlungen kulti viert wurden, entwickelte sich allmählich der Großteil der heute noch im Anbau stehenden Obst sorten. Dabei wurde auch die Skala der für den Menschen vorteilhaften Eigenschaften ständig erweitert und verfeinert. Die frühesten deutschen Dokumente über Obstsorten sind die "Kapitularien" Karls des Großen. Genaue Angaben über die Zahl der Apfelsorten wurden zwar nicht gefunden, man darf aber annehmen, daß sie nicht höher war als die der Römer im 3. Jahrhundert.  Obstbau wurde bis zum 18. Jahrhundert fast nur in den Gebieten betrieben, die ihn noch aus den Zeiten der Besetzung durch die Römer kannten: im Südwesten, am Rhein oder in der nächsten Umgebung der Städte. Diese Zeit ist gekennzeichnet durch einen Anbau der Obstgehölze als Liebhaberei und zur Eigenversorgung. Das erzeugte Obst blieb im Anbaugebiet und wurde in einem örtlich begrenzten Bereich abgesetzt. Gefördert wurde der Obstbau insbesondere in den Klöstern und von einigen Fürsten und Landesherren, die nach dem Vorbild des Kurfürsten August I von Sachsen (1553-1586) und des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1640-1688), die "Ehestandsbaumgesetze" erließen, nach denen Brautpaare vor der Trauung eine bestimmte Anzahl von Obstbäumen pflanzen oder veredeln mußten. Unter König Friedrich von Preußen mußte sogar jedes Dorf eine bestimmte Anzahl von Obstbäumen pflanzen. Insgesamt spielte der Obstbau bis zum 18. Jahrhundert in Deutschland wirtschaftlich aber keine Rolle. Die Transport- und Verkehrsverhältnisse waren wenig entwickelt, es wurde insgesamt wenig Tafelobst verzehrt.