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Kulturmaßnahmen

Hormone steuern das Pflanzenwachstum


Das 1938 entdeckte Phytohormon Gibberellin vermag in vielen Pflanzen schon in sehr geringen Konzentrationen charakteristische physiologische Reaktionen auszulösen. Neben einem verstärkten Längenwachstum sind folgende Reaktionen besonders interessant: Verfrühung des Blühtermins bei 2jährigen Pflanzen und solchen, die zur Blütenbildung niedere Temperaturen und Langtagsbedingungen benötigen; Verkürzung des winterlichen Ruhestadiums; Unterbrechung des Ruhezustandes bei Samen und Knollen; Förderung der Jungfernfrüchtigkeit z.B. bei Tomaten, Gurken, Paprika, Feigen (Parthenokarpie); Vergrößerung der Fruchtgröße bei Weinbeeren.

Über die Anwendung der Gibberellinsäure an Obstgehölzen lagen noch in den 60er Jahren sehr wenig Erfahrungen vor. Die in Weihenstephan durchgeführten umfangreichen Untersuchungen mit Gibberellinsäureeffek ten an Äpfeln und Birnen ergaben, daß die Behandlungen der Blüte mit Gibberellinsäure den parthenokarpen Fruchtansatz förderten. Die Gibberellinsäure war aber nicht in der Lage, den vorzeitigen Fruchtfall dieser Früchte zu verhindern. Auch das Triebwachstum der Bäume reagierte nicht nennenswert.


Das Aufkommen von Handelspräparaten mit hormoneller Wirkung machte es erforderlich, deren Wirkung auf den Ertrag der Obstbäume zu untersuchen. Es konnte nachgewiesen werden, daß Hormonpräparate auf der Basis von  -Naphtyl-Essigsäure, gespritzt während der Blütezeit, bei einigen Birnensorten den Ertrag deutlich steigerten. Teilweise konnte auch eine positive Wirkung auf die Fruchtgröße ermittelt werden.

Eine unerwünschte Angewohnheit von Apfelbäumen ist es, kurz vor der Fruchtreife noch eine ganze Menge Früchte abzuwerfen. Ein Eingriff in den Hormonhaushalt durch eine Spritzung mit Indolyl-Essigsäure-Ethylester kann das verhindern.


Hemmung der Blütenknospenbildung bei Sauerkirschen durch Gibberellinsäure

Häufig treten bei der Vermehrung von Sauerkirschen durch Veredlung Probleme auf, die auf der Verwendung falscher Knospen beruhen.
Zu der schlechten Augenannahme bei der Anzucht von Sauerkirschen auf Prunus mahaleb-Unterlage kommen auch bei günstigeren Affinitätsverhältnissen (Vogelkirsche, F12/1) durch die unbeabsichtigte Verwendung nicht erkannter Blütenknospen weitere beträchtliche Ausfälle. Während eine Verhinderung oder extrem starke Reduzierung der Blütenbildung obstbaulich kaum von Interesse ist, würde sie für den Baumschüler die Gewinnung eines vollwertigen Reisermaterial bedeuten. Es wurde deshalb der Versuch unternommen, die Blütenbildung bei Sauerkirschen durch Gibberellinsäurebehandlungen soweit zu reduzieren, daß die Wahrscheinlichkeit, beim Veredeln Blütenknospen zu verwenden, auf ein Minimum reduziert wird.

Bekanntermaßen erfolgt die Differenzierung von Blütenknospen bei frühen Sauerkirschsorten hauptsächlich im letzten Julidrittel und bei Spätsorten ('Schattenmorelle') um die Monatswende Juli/August. Es galt die Frage zu klären, ob Gibberellinsäure die Blühinduktion hemmt bzw. verhindert oder die Weiterentwicklung der bereits vorhandenen Blütenanlagen unterbindet. Die Spritzungen waren um den Termin der Blüteninduktion herum durchgeführt worden.

Zahl der Behandlungen und Konzentrationen (ppm)Termin der Spritzung
Mitte VIMitte VIIMitte VIII
 Kontrolle 32,0
1 x 2526,319,620,4
1 x 5021,718,817,1
1 x 10014,94,93,9


Dieses obstbaulich kaum wünschenswerte Ergebnis läßt sich für die Baumschule durch die Gewinnung einer zahlenmäßig und qualitativ hohen Ausbeute an Edelaugen nutzbar machen. Das unliebsame Blühen von Okulaten wird unterbunden. Die Annahme der mit Gibberellinsäure vorbehandelten Edelaugen ist ungespritzten Kontrollen mindestens gleichwertig. Das beschriebene Verfahren könnte auch bei anderen Gehölzen, die am einjährigen Holz blühen und vermehrt werden sollen, Bedeutung erlangen.