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Kulturmaßnahmen

Förderung der Blütenbildung


In den 50er Jahren war die richtige Kronenerziehung und der Schnitt von Obstbäumen ein sehr wichtiges und brisantes Thema. Es war notwendig geworden, den Ertrag zu steigern, wobei optimale Qualität erzeugt und gleichzeitig der Arbeitsaufwand reduziert werden mußte. Das Weihenstephaner Institut hat sich damals mit nutzbringender Anwendung uralter pflanzenphysiologischer Gesetze des Wachstums und des Fruchtbarwerdens befaßt. Nun wurde die Baumerziehung mehr unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gesehen. Es wurden neue Ziele formuliert:
1. ein zweckmäßig aufgebautes Kronengerüst,
2. zeitiger Beginn der Fruchtbarkeit und hohe Erträge,
3. eine gute Belichtung aller Baumteile bis in das Kroneninnere,
4. Erhaltung der Fruchtbarkeit und Triebkraft, d.h. des physiologischen Gleichgewichts bis ins Alter.

Zusätzlich zur Baumgestaltung mit der Schere kamen andere Möglichkeiten auf; als solche sind insbesondere das Herunterbinden von Langtrieben zu nennen. Waagerechte Triebe blühen vergleichsweise früh und bringen entsprechend höheren Fruchtertrag. Sogar bei den genetisch bedingt sehr steilwüchsigen Birnen konnten die Vorteile des Waagerecht- Bindens von Zweigen herausgestellt werden. 
 

Einfluss des Bindens auf den Beginn Fruchtbarkeit
Durchschnittliche Ernte je Baum
   
SorteÜblicher RückschnittWaagerecht gebundenNach unten gebunden
 kgkgkg
Köstliche von Charneu1,783,343,58
Conférence7,4124,1716,80
Clairgeau1,093,3916,36

Das Herunterbinden von Langtrieben bei Birnen führte zu einer deutlichen Verfrühung des Ertragsbeginns. Die Befürchtung, daß beim Waagerecht-Binden zahlreicher Knospen der Oberseite des gebundenen Triebes kammartig kräftig austreiben und dadurch die angestrebte Blütenknospenbildung unterbleibt oder zumindest hinausgezögert wird, war grundlos. Auch die Sorge, das Gleichgewicht der Assimilationsflächen zwischen gebundenem Trieb und Leitast könnten derart gestört werden, daß der gebundene Trieb durch sein kräftiges Dickenwachstum die übergeordnete Leitastverlängerung benachteiligt und schließlich sogar abwürgt, erwies sich als unbegründet.